Der April … vorweg …

 

Die drei Prinzipien der irdischen Selbstentfaltung:  nach einer kleinen Anleitung zur Praxis des Yoga aus der Feder des Meister Therion, inklusive einer Betrachtung des Monats April.

Sal, Mercurius und Sulphur, so lehrte es Paracelsus von Hohenheim, der eigensinnige Erneuerer des Einweihungswissens zur Zeit der Renaissance.

O April April … er tut was er will. Aller Reife geht das Spiel voran. Das kleine Mädchen spielt sich von der Puppenstube her zur Mutter, der Knabe vom Aquarium her zum Forscher hin oder, wie das Kind Goethe, vom spielerischen Aufbau eines aus den Welten-Elementen Stein, Pflanze, Tier und Feuer gefügten Altares zur Rolle des bevollmächtigten priesterlichen Verkünders der Geheimnisse. So tobt denn im Aprilwetter die Jugend des Jahres, zwischen Graupelschauer, Sonnenschein, erstem Gewitter und plötzlichem Rückfall in Eis und Reif wie ein Böcklein hin und her springend, ihr wildes Verspieltsein in Gottes Chronik. Das Schüttelnde, Rüttelnde, nirgends solide und dennoch so funkelnd mit Reichtümern Prunkende des April ist einem Kursus in der großen Abhärtung gleichzusetzen, der die Kreaturen nunmehr preisgegeben werden. Die leisen Frühjahrsverkündigungen des März, rosa Pestwurzblüten am Grabenrand, die gelben kleine Sonnen des Huflattichs den Weg entlang, Veilchen im Grase, Seidelbast am Waldessaum und überall die flimmernden Kätzchen der Weiden – es ist all dies auch im April noch da, doch eine kräftigere Küche kocht inzwischen ihre Säfte und Gewürze in den herben Tag. Es wird Zeit, die Frühjahrskräuter zu ernten und in Suppen- oder Salatform auf den Tisch zu bringen.

Jedes Pflanzenorgan, das ungekünstelt und, wenn möglich, ungekocht verzehrt werden kann, ist ein “Nahrung-Integral”, aufgebaut aus wohlorganisierter Sonnen-Energie – so lehrte es Bircher-Benner, der ärztliche Vorkämpfer der modernen Ernährungslehre. Aber gerade das, was Bircher-Benner so begeistert pries: die Nutzpflanze des Ackerbaus, ist doch ein ärmliches Ding, verglichen mit den Wildpflanzen  am Wegesrain. Auf Kulturboden gesät, mit Dung und Chemikalien emporgepäppelt und oft genug nur in einen  unsoliden Geilwuchs hineingepeitscht, ist sie außerstande sich selbst  zu  erhalten und  zu regenerieren. Die Ernte ist  das Ende ihres Lebens. In ihrem grünen Leibe findet sich nicht mehr das Wohlgefüge der Mineralsalze und organischen Spurenstoffe vor – von denen Vitamine nur einen Teil darstellen, während Wuchs- und Aromastoffe für die Gesundheit nicht minder wichtig sind, sondern eine einseitig komponierte Musik der Substanzen, die zuweilen recht dissonant und  atonal anmutet.
Demgegenüber hat sich das kleine hartschalige Volk, das Wegessaum, Heckenboden und Wiese übergrünt, auf eine so explosive Weise mit Werdepotenzen ausgestattet, dass der frühlingsmüde Mensch es bis in jede Ader hinein spüren kann, wenn er seinen Salat oder seine Suppe aus Löwenzahnblättern, Gänseblümchenrosetten, Huflattichkraut, Vogelmiere, Brennnessel, Gundelrebe, gutem Heinrich und jungen Holundersprossen verzehrt hat. Hier, wo keine künstliche Düngung nottat und keine mühselige Züchtung nach Ertragsgesichtspunkten am Werke war, ist jede Zelle der grünen Pflanzenleiber ganz unmittelbar ein Nahrungs-Integral, das die Anordnung seiner Lebens- und Wirkstoffe aus der Herrgottsapotheke selber empfing.

Die Bauern einsamer Täler wissen noch heute, dass die rechte Auswertung der Aprilkräuter den Menschen für ein ganzes Jahr mit Gesundung auflädt. Wir begreifen das auch ohne den Umweg über die chemischen und physiologischen Laboratorien, deren Verdienste oft genug nur darin bestehen, Wirkstoffe des Lebendigen so isoliert und tot wie möglich in die Hand zu bekommen, womöglich auf dem beliebten Wege der Synthese aus dem Teer, auf dass der Schornstein der Fabriken rauche und der Apotheker uns die Gesundheit in Tablettenform zumesse. Ist es nicht wie eine Kommunion, die der moderne Mensch, vor der Teerfabrik kniend, entgegennimmt, wenn er die winzigen weißen Hostien, die aus der schwärzesten Schwärze geschaffen sind, in seinen Leib und seine Seele schluckt? Und wäre es nicht an der Zeit, diese Kommunion der schwarzen Messe mehr und mehr entbehrlich zu machen durch eine Hinwendung zu den Altären der Schöpfung selber? Die Zahl der Ärzte mehrt sich von Jahr zu Jahr, die mit guten Gründen meinen, der Reim auf das Glaubensbekenntnis des kranken Europäers, Gesundheit sei in Tablettenform schluckbar, heiße auf recht ingrimmige Weise: April, April!

Der lebendige, unseren Fuß beim Wandern mit so viel Grün umrauschende April jedoch ist nicht nur abgeneigt uns zu narren, er schenkt uns sogar reichen leiblichen Lohn, wenn wir sein Angebot nicht verachten und im kühlen Wind des Abends die Kräuter ernten, die uns mit Lenzkraft durchpulsen.

Ob der Abend kühl ist oder lau, die Amseln sitzen auf den Giebeln und im Obstbaum, der gegen Ende des Monats zu erblühen beginnt, und ihre Strophe betet weltenalte Gebete, die Wiedergeburt des Jahres zu verehren. Im Westen versinkt der Orion, der Weihnachtskünder, dessen riesiges Sternbild in den Septembernächten aus den östlichen Räumen emporzuklimmen beginnt. Die Erde, die tief im Winter den Atem in sich zurückstaute wie ein indischer Yogi, wenn er den Zustand der Vereinigung des höheren Selbst mit der Gottheit, wenn er Samadhi erreichen will, beginnt nun immer stärker auszuatmen: ihre Ätherfülle, die sich weit flutend in die Räume ergießt, tritt gleichsam in den lebendigen Verkehr mit der Welt der Gestirne – und je lebhafter und reicher von Monat zu Monat dieser Austausch zwischen Erdenstern und Himmelsternen vonstatten geht (bis er zur Johanniszeit das Maximum erreicht hat), desto zahlreicher sprossen, als irdische Antwort auf die kosmische Befruchtung, die Blütensterne auf, die Abbilder der Himmelslichter, die schuldlosen Organe der Liebe im Pflanzenreich. Hat der April sich mattgetobt in den Ausgelassenheiten seiner wetterwendischen Laune, und sinkt er, satt und voller Sehnsucht, dem Mai entgegen, so ist sein Blüten-Sternenhimmel reich wie die Landschaft des Himmels über Chaldäa. Als erster Monat reißt der April das pflanzliche Sein mit Vehemenz in die Entstofflichung hinein, in den süßen Feuerbrand, den wir Menschen als Blütenduft erleben.

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Alles Lebendige hat seine drei irdischen Formen der Selbstentfaltung: Sal, Mercurius und Sulphur. Sal, das Salz, steht mit seinen stofflich-harten Kubusformen der Kristalle für irdische Verfestigung, Mercurius, das Quecksilber, quecksilbert flüssig, vermittelnd und nach Art des Götterboten Merkur als Bote zwischen Unterem und Oberem hin und her, Sulphur, der Schwefel, endlich deutet auf die geheimnisvolle Existenz des Flammenden, Feurigen, sich Verflüchtigenden hin, auf die Sublimation ins Überweltliche. Die Pflanze erlebt ihr Sal-Prinzip dort, wo sie mit der Wurzel im Erdreich verfestigt ist, aus dem sie Mineralien emporholt in den grünen Leib, der dem Mercurius-Prinzip entspricht: die Säfte durchströmen ihn, das Chlorophyll der Blätter steht im Verkehr mit dem Sonnenlicht, gasförmige Kohlensäure wird assimiliert, Sauerstoff abgespalten, eine Art Atmung beflügelt das Leben und holt Kosmisches in die zarte irdische Erscheinung hinein. Aber die grüne Gestalt, die sich merkurisch aus dem irdischen Sal erhebt, trägt Nahrung und Lebensmöglichkeit zu einem Oberen hin, das dem Feuer verwandt ist: die Blüte, oft als etwas Brennendes zu empfinden, ein Sternen-Abbild; die Blüte spielt mit den Insekten, den Durchseglern des Äthers, sie lodert in Farben auf, und, vor allem, sie duftet. Sie verströmt sich in ein Element, das nicht mehr fest oder geschmeidig-feucht ist, sondern flüchtig, dem Aushauch verwandt, der glühenden Hingabe ins Strömende.

Wer unter Kaskaden von Faulbaumblüten durch einen April-Park schreitet, sei des Feuers der Schöpfung eingedenk, wie es in den Düften lebt und wie es immer nur ein und dasselbe meint und minnt: die Liebe.

Zeitenwind

„Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich doch heute mein Apfelbäumchen pflanzen.”
Martin Luther (1483-1546), dt. Reformator

Weltuntergang
„So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen. Es ist soweit.”
Hoimar von Ditfurth (1921-89), dt. Wissenschaftspublizist

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Die Sonne unterhält in Wirklichkeit einen Modesalon in der Straße der Illusionen und die Models, die die Mode tragen, sind Kleiderbügel, die in der Leere der Nichtexistenzen durch Raum und Zeit gleiten. Die Reduzierung auf Modelle, Tabellen und Zahlen, auf feinmechanische, elektromagnetische …. Verzahnung und Verflechtung aller Lebensbestandteile des Universums auf eine scheinbar kontrollierbare Realität, ist aus der Sicht des Universums eine göttliche Komödie.

Warten auf Entwicklung, Veränderung , bangen auf  Untergang, und die Suche außerhalb seiner selbst,  ist Teil der Illusion. Die schöpferische Kraft hat sich doch bereits in uns selbst erkannt um hier und jetzt zu  sein. Die Benennung von Katastrophen ist eine nachvollziehbare menschliche Beurteilung  über kosmische und natürliche Geschehnisse, Bewegungen, die dem Universum von je her innewohnen. Wir erschaffen uns davon eigene Bilder und nennen sie Schöpfung oder Evolution … und so weiter …

… echt spannend,  diese Strukturen unserer selbst erschaffenen Vorstellungen von der Außenwelt als solche zu erkennen und uns aus dieser Matrix zu lösen, ohne aber die Suche nach dem uns speisenden, inneren Schöpfergeist dabei aufgeben zu müssen.

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Wir erreichen die Wirklichkeit durch eine Erkenntnisform, die unsere eigenen Gespenster so los wird, indem wir sie bewusst annehmen und den seelischen Hebel erkennen, mit dem sie uns zum Narren halten. Dann, und nur dann, können sich die inneren Flammen mit den Äußeren verbinden, damit einerseits das Ewige in uns sich mit dem Ewigen außerhalb unserer selbst verbindet, bis zu jener Identität des Selbst mit dem Ewigen Selbst: ein Zustand, den die Mystiker, die Auflösung im Feuer nennen, der auf dem Weg des Wissens zu erreichen ist, und direkt durch unsere innere Hölle führt, dem der Untergang einer Welt folgt.

Auferstehung: das Ich löst sich und entschwindet ins Göttliche hinein, das allein bleibt.