Bedeutung durch Ablehnung

Das Spiel mit der Avantgarde. Ich komme ja aus einer Zeit und einem ländlichem Raum, in welchem Künstler immer noch ein Schimpfwort ist. Das Wechselspiel der Gegensätze in der Kunst und dessen kollektive Wahrnehmung. Ich fühlte mich nie wirklich wohl dabei, mich als Künstler zu betrachten. Ich mache meine Werke und interessiere mich gar nicht für die sognt. zeitgenössische Kunst. Es sind die Artefakte und nicht die Kategorien, das Primäre. Die Helden des Alltages, sind es, die Briefträger, die Krankenschwestern, Pflegerinnen, Straßenarbeiter, Flaschner … die die Kultur erhalten, nicht die Künstler und die Kunst, diese sind nämliche ausgelagert von der Gesellschaft, und schlimmstenfalls nur Markt-Artikel. Das ist Spinnerei. Ja !?

14 Gedanken zu „Bedeutung durch Ablehnung

  1. Schwierig in 3 Sätzen auf den Vortrag einzugehen. Brock arbeitet die Legitimation der Künstler für mich glaubhaft heraus, in dem er die ersten autonomen Künstler (im 13. Jhdt) beschreibt, die sagen :Ich stehe hier mit nur meinem Werk, meiner Idee. Ich finde auch, dass er das legitimierende System der gegenseitigen Kritik gut aus der Zeit entwickelt und (Kunstvereine) in die bürgerliche Zeit übersetzt. Ich sehe auch seine Kritik an der heutigen Zeit, die Kunst nur noch über ihren wirtschaftlichen Erfolg definiert und so eigentlich die Errungenschaften der letzten 5 Jahrhunderte zunichte macht.
    Ich denke nicht, dass Künstler ausserhalb der Gesellschaft stehen, aber jeder Künstler hat ein ihm eigenes Thema. Wenn du sagst, die Handwerker erhalten die Kultur, wie meinst du das?
    Ich denke, Kunst ist eine Disziplin, die zum denken anregt. Wie das passiert, ist mir nebensächlich.
    Wenn wirklich Artefakte das Primäre wären, gäbe es keinen Anlass, sie weiter zu entwickeln.
    Bei dir sah ich gestern ein paar späte Arbeiten, die viel freier mit Farben umgingen, die mir gut gefielen. Ich denke, genau solche Veränderungen sind gemeint, wenn es um die sich verändernden gedanklichen Auseinandersetzungen geht.
    Dass es eine Menge „Künstler“ gibt, die nur oder nur noch Markt-Artikel sind, sei so dahingestellt.

  2. …Nein, irgendwie habe ich heute Abend nicht mehr ausreichend Ausdauer das Video zu Ende zu schauen. Thomas Hensel hat mir gereicht…und zum Einschlafen höre ich mir lieber Videos mit Katzenschnurren, Regentropfen pläddern aufs Dach oder Meeresrauschen an.

    Du fühlst dich ausgelagert, Art of Arkis?
    Das finde ich wirklich schade.
    Wer hat das getan?
    Und warum hast du dies zugelassen?

    Du sprichst da aber etwas Wichtiges an.
    Was ist Kultur eigentlich?
    Bilder, Skulpturen Plastiken, Filme, Musik, Theater, Oper, Produktdesign…oder auch die sog. Volks-/ Amateurkunst…oder Kochkunst….oder womöglich solche schlichten Sachen, wie sich abends gemeinsam an einen gedeckten Tisch zu setzen, um Abend zu essen und sich zu unterhalten – anstatt vereinzelt vorm TV zu hocken und irgendetwas aus der Packung herunterzuschlingen.

    Und was / wer bestimmt wer ein bedeutender Künstler ist?
    Was für eine Bedeutung sollten Künstler eigentlich anstreben?
    Verkaufszahlen, Anzahl der Veröffentlichungen & Ausstellungen, Besucherzahlen, die Beurteilung von Kunstkritikern oder von Kollegen?

    Soll dem Künstler Bedeutung zukommen oder doch nicht besser seinem einzelnen Kunstwerk?

    Wen wollen Künstler eigentlich erreichen? Intelektuelle, Bildungsbürger, Mäzene, Wissenschaftler, Philosophen – oder auch die breite Masse?

    Ich habe letztes Jahr die stetig wachsende „Affordable Art Fair“ besucht. Diese Verkaufsausstellung ist sehr gut besucht und viel geschmäht. Die dortigen Exponate seien keine echte Kunst (nur weil sie auch für ein kleines Budget erhältlich sind?), die Besucher hätten keine Kunstsinn und würden nur dekorative Lifestyle-Objekte suchen. Es ginge nur um Kommerz…usw.
    Meiner Ansicht nach schwang doch ein wenig Neid mit. Hohe Besucherzahlen und eine Menge Verkaufsabschlüsse wurden verzeichnet. Nach nur nur 2 Stunden mussten Exponate nachgeschoben werden. Es wurde offensichtlich sehr gezielt und informiert eingekauft.

    Was nun Kunst ist oder nicht, sollte dem Betrachter überlassen werden.
    Das Gleiche gilt für den Wert eines Kunstobjektes. Ich entscheide, was es mir wert ist.
    Ich gebe dem Kunstwerk Bedeutung. Es sagt das aus, was ich in ihm sehe.
    Es ist natürlich spannend zur erfahren was der Künstler sagen will und in welchen Kontext die Arbeit entstanden ist, aber meine Interpretation macht das Werk ja erst für mich attraktiv. Eine reine Bauchsache.
    Zumal ich kein Kunstspekulant bin (habe ich doch auch gar nicht die Finanzen). Der Marktwert und seine Prognose ist mir schnurz.

    Nicht vergessen sollte die Kunstwelt, das die Affordable Art Fair das Potential hat, neue Kunden & Sponsoren zu gewinnen. Da ist ein wenig mehr Respekt, Toleranz und Freundlichkeit angesagt.
    Allein das ehrliche Interesse an meiner Arbeit würde mich als Künstler freuen.
    Noch schöner ist es, wenn ein Gedankenaustausch ohne verstellten Blick oder Berührungsängste stattfindet.
    …und genauso habe ich diese Messe erlebt. Es ging nicht um ein Shoppingerlebnis für Besserverdienende, die Deko für ein Budget von 500 – 10.000 oiros suchen.

    Mir scheint, wenn von Bedeutung gesprochen wird, geht es wahrscheinlich um Anerkennung innerhalb der elitären Kulturszene.

    Die Kunstszene scheint mir tatsächlich ein wenig abgehoben und überheblich zu sein.
    Es steht dem Künstler natürlich offen, welche Rolle er in der Gesellschaft er einnehmen will…aber es ist schon schade, dass die Mehrzahl sich sowohl in den Inhalt, Form, Sprache, Ausdrucksmitteln, als auch im Kunst zugänglich machen (von Verkaufskanälen & -preisen und Marketing möchte ich gar nicht sprechen) etc. sehr weit von den Normalbürgern entfernt hat.
    Insofern könnte man vom „ausgelagert sein“ sprechen.

    ich bin keineswegs eine Kennerin der Kunstszene, aber dennoch habe ich den verdacht, dass die zeitgenössischen Künstler sich relativ wenig mit den aktuellen gesellschaftlichen Themen und Befindlichkeiten beschäftigen und damit einen Mehrwert im Sinne von Ideen zu Problemlösungen oder Denkanstösse bieten.

    Wenn Herr Hensel in dem youtube Video von der Lösung unlösbarer Probleme durch die Kunst spricht, empfinde ich das fast schon als Unverschämtheit.
    Jeder Sales Manager, der Profit generiert, jede Altenpflegerin, jeder Landwirt oder Forscher trägt mehr zu Problemlösungen bei. Und Probleme als unlösbar zu deklarieren ist nicht nur anmassend, sondern auch dilletantisch, faul & feige.
    So eine Aussage können auch nur Leute treffen, die keine Verantwortung tragen und auch nicht übernehmen wollen.

    So ein wenig Zitat: „Denkerei“ sind blosse Sandkastenspiele. Keine Idee? dann wechsele ich doch einfach das Thema und probiere mich dort ein wenig aus…das ist intellektuelle Onanie und schnöde Nabelschau.
    Ich hoffe, ich habe den Redner missverstanden.

    Oder sind da etwa ganz andere Probleme gemeint. Wie male ich die 395.000.000ste Obstschale, ohne dass diese aussieht wie eine Vielzahl anderer Darstellungen.
    ist es als Künstler überhaupt noch möglich originell zu sein?

    Die Sprache im Video ist zudem auch schwere Kost. Form geht vor Inhalt. In knappen, präzisen Sätzen ohne rethorische Schnörkel & fachbegriffliche Nebelbomben würde den Redner womöglich entzaubern.

    Wow! Habe noch einmal reingehört…Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebt mache… aber meine Kollegen und ich würden solche schwallenden, größenwahsinnigen und verwirrten Profilneurotiker hochkant rausschmeißen – ganz ehrlich. Das habe ich auch tatsächlich auch einmal mit einem Gutachter, der seinen Redebeitrag mit Latein gespickt hatte (obwohl ich das Latinum besitze).

    Gott sei Dank sind unsere Produktdesigner lösungsorientiert, bodenständig und keineswegs ausgelagert, sondern wertvoller Bestandteil des Teams.

    Zitat: „Die Quelle der Kritik an der Wahrheit ist die Utopie.“
    Da bleibt mir abschließend auf meinen letzten Blog-Eintrag „Fakten, Realität oder Wahrheit – Wahn ohne -sinn“ hinzuweisen.

  3. Kunst ist wie Magie irrational, mal prä mal trans korreliert sie mit den Sinngebungen des Betrachters. Der Vortrag ist eine didaktisch und dialektische Onanie.

  4. Ich male und zeichne, das ist alles und es genügt mir. Es ist viel zu tun, und ich habe nichts Besseres zu tun *g* Es kommt mir auch nicht auf die fertigen Bilder an, sondern auf das Malen, das Tun, die „Ideen“ erden. Die Helden des Alltages, sind Gestalter des Sozialen. Es sind nicht die Künstler sondern die Manager und Galeristen, die den Kunstmarkt, z. B. für zahlungskräftige Oligarchen, abstecken und bedienen.
    Ja, die Artefakte ergo Werke, sind es, die wiederum neue Werke initiieren, nicht die Kategorien … so meine ich das.

  5. Falscher Kontext! Es ist doch ein wunderbares Paradox, nennen wir z. B. die Sehweise, die dem Impressionismus zu Grunde liegt oder anderes Beispiel, den Da Da ….. wurde nach anfänglicher „Ablehnung bis Unverständnis“ im Nachhinein als bedeutend in der Kunstgeschichte bezeichnet. Gruß.

  6. Ach so, nein, ich fühle mich nicht ausgelagert, es ist rhetorisch gemeint. Es spielt keine Rolle, da dieser Kriterien-Kontext eh keine bei mir spielt. :)

  7. Ein interessanter Diskurs wird das, wie ich finde. Du bist eigentlich genau auf der Linie Brocks, wenn du die Ideen erdest. Er sagt ein Bild hat nur eine Berechtigung, wenn es zu weiteren Fragen führt. Man kann auch sagen, dass das Artefakt die Kategorie ausbaut, oder anders gesagt, die Werke sind die Manifestation der Idee.
    Auch deine Meinung zu Galeristen, Oligarchen etcetera teile ich, aber auch Brock, der am Anfang darauf verweist, dass es keine kritische Kategorie mehr gibt, sondern nur noch die des kommerziellen Kauferfolgs.
    Du musst deinen Schlusssatz überdenken: Es sind nicht die Werke, die neue Werke gebieren, sondern die Auseinandersetzung damit und der Wegweiser der von ihnen zu einem neuen Ziel ausgeht. Brock: Es ist kein Werk relevant, ausser es führt uns zum nächsten Werk.
    Es geht darum, den philosophischen Ansatz im eigenen Werk zu finden und ihn darzustellen. Es ist übrigens unwichtig, ob dich der philosophische Ansatz interessiert, oder ob du ihn so nennst. Ich sehe bei dir allerdings eine solche Relevanz, ein Wachsen am Thema und eine Verbreiterung de Schaffens von Anfang an. Es ist da auch unerheblich, ob ich konkrete Kunst mache, oder Fantasy, wichtig ist die Entwicklung.
    Aber genug gepredigt. Vielleicht interessiert dich dieser Link (er hat mit mir nichts zu tun, aber Lars interessiert sich für eine ganz andere Kunst, schreibt aber viele kluge Dinge dazu) https://arte-concreta.com

  8. Brock geht ja anfangs kurz mal auf Francesco Petrarca und des neuen Typus des Artefakten in der Renaissance ein. Das ist viel tiefgreifender, es geht nämlich einher mit der Entdeckung des Tiefenraumes und der Zentralperspektive, der mit einem Sprung des kollektiven Bewusstseins einhergeht. Von da ab, war die Sicht auf „die Welt“ eine andere. Dies umfassend in allen Bereichen; Wissenschaft, Kultur, Philosophie … man denke an so Leute wie Da Vinci, Dante Alighieri
    u.s.w. … super, deinen weiteren Gedanken und Ausführungen zu folgen. Wir werden sehen … :)

  9. Wir springen von Thema zu Thema, aber gut…
    Ich denke auch, dass das erste künstlerische Selbstverständnis in gesellschaftlichem Raum während der Renaissance stattgefunden hat.
    Ich bin allerdings weder sicher, ob die ursprünglichen Künstler (Venus von Middendorf, Höhlen von Lascaux oder auch die grossartige Pferdeherdenskulptur von Cap blanc (Abri) sich nicht bewusst waren, etwas besonderes zu machen, noch weiss ich, ob diese Artefakte nur kultisch zu nehmen sind. Im Fall der Pferdeskulpturen, die ich vor etwa 35 Jahren sah, und die mich umgehauen haben, wurde uns gesagt, dass Halbnomaden sie in 2000 Jahren schufen! Diese Kontinuität ist heute undenkbar, wie auch das festhalten an einem künstlerischen Grundgedanken.
    Aber ich schweife ab. Die kreativen Köpfe des Renaissance waren die ersten, die sich auch als Künstler (nicht als Kunsthandwerker) verstanden. Sowohl die Leute, die du erwähntest, wie auch die Nordvölker, die von Dürer die Kunde bekamen, was in Italien so los war. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob die Entdeckung der Zentralperspektive der Grund dafür war, oder eher doch die politische Situation die zwischen Florenz und Mailand bestand, der Vormacht der Medici und vielleicht auch der „Gottlosigkeit“, die mit der Macht einherging und eine gewisse Freiheit erlaubte. Sicher ist, dass sich dieses Lebensgefühl der Künstler, Wissenschaftler und Philosophen rasant ausbreitete und sich nicht so leicht wieder einfangen liess. Die brennenden Fragen bezüglich der Religion brachten in Italien Savonarola und in Deutschland 20 Jahre später Luther und andere „Reformatoren“ hervor, die wahrscheinlich die Landschaft viel stärker und in kürzerer Zeit veränderten, als die Künstler mit neu ausgebildetem Selbstbewusstsein.
    Aber um nochmal auf Brock zurückzukommen, die Kunstkritik folgte auf dem Fusse. Nicht gleich, aber spätestens mit Vasari (natürlich gab es vorher andere) gab es die ersten, die sich verantwortlich dafür fühlten, das Metier zu ordnen. Und dadurch entstand ein hermetisches System, das dazu diente, die Professionalität zu belegen. Soweit Brock. Das gleiche System machte es Leuten ohne formale Ausbildung (Leute wie du und ich) den Zugang zu diesem System nahezu unmöglich. In den 50er Jahren noch möglich, wurde es in späteren Jahren fast komplett unmöglich, wenn es sich nicht um absolute Ausnahmetalente gehandelt hat (Basquiat). Hier finde ich, unterschlägt Brock etwas. Er spricht immer von „qualifiziert sein“ und von „philosophisch qualifiziert sein“, aber stempelt self-learners einfach ab. Das ist das einzige, was ich als arrogant empfinde.

  10. Von Themen zu Themen „springen“ passiert gern, wenn die Kontexte gleitend, was sie ja auch sind.
    Höhlenmalereien sind primär Zeugnis pars pro toto jagdmagischer Bannungen. Die Leuts damals waren wohl sehr durchlässig. Alles war Eins, und ein Teil, stand immer auch für Ganzes. Insoweit haben wir in der Kunst noch diese originäre magische Struktur vorliegen, mehr oder weniger offenbar. Bewusstsein wirkt und drückt sich umfassend durch alle Kulturleistungen, dessen Träger der Mensch ist, kollektiv aus, es gibt bei Bewusstsein kein Plural, es ist eins. Der Übergang vom bildnerisch Magischen, einer sich ausdrückender Seele zum Sprechen und Erzählen hin, den Strukturen emotionaler Beziehungsgeflechte, ergo dem Mythischen, ist fließend; der Begriff „Mund“ leitet sich von dem Begriff „Mythe“ ab.
    Der nächste Sprung führte das menschliche Bewusstsein (Atman) in rational mentale Strukturen (dies fand seinen Höhepunkt in der Aufklärung), mitsamt den blutigen Kämpfen, die immer dann stattfanden, und immer noch finden, wenn Bewusstsein sich weiter entwickelnd „ausdehnt“. Evolution wird zunehmend komplexer, die Welt zunehmend komplizierter … springen wir nun direkt von der antiken Welt in die Renaissance, mit allem, allen Bewegungen, die das so mit sich brachte. Vermutlich wurde hierbei mal nebenbei der Geniekult kreiert, der scheinbar bis heute, mit allem drum und dran, anhält – die Debatten sprechen für sich.
    Dazu haben wir beide ja schon einiges geschrieben, vor allem von deiner Seite, legst dich ja ins Zeug. Danke!

Kommentare sind geschlossen.