Über die eigene Kunst labern …

mache ich nicht wirklich gerne.

Ausgehend von Erfahrung, Prägung und Bildung, seinem Erleben, Fühlen, Denken, Kenntnissen, das, was alles mit einfließen kann, versteht der Betrachter eines Kunst-Werkes es auf seine Weise oder auch nicht. Es ist immer ein Wagnis Kunst zu interpretieren. Was nicht 1 zu 1 in Worten gesagt werden kann, da Bilder aus einer prä oder transrationalen Struktur des Bewusstseins entstehen und kommen, gerade so, wie sich das denkende Selbst im Traum Objekte in Bildern erschafft. Eine Translation ist relativ vom Übersetzer individuell interpretiert, mag er auch Schulen als Kategorien heran ziehen oder auch nicht.  Man merkt, was er oder sie gelesen … und so weiter hat, also, das ist echt müßig bis langweilig.

Daher kann ich als Künstler, und das will ich auch nicht wirklich, nicht sagen, wie und was gesehen werden soll, oder Jemandem erzählen, was ich selber darin sehe. Die allgemein häufig gestellte Frage: was will der Künstler uns sagen, ist völliger Unsinn.
Ich, der Künstler will euch gar nichts sagen. Die Arbeit löst beim Betrachter etwas aus oder auch nicht.

Kunst entsteht ausschließlich im Dialog zwischen dem Betrachter und dem Werk, sie ist immer dialogisch und dialektisch. Mein Werk (oder Werke anderer Künstler) ist also ein kommunikativer Akt, ein Angebot, das ich annehmen oder ablehnen kann.
Meine Gedanken „gehören“ aber ausschließlich mir; am Werk ändern sie nichts. Ein Künstler, der für die Betrachtung seiner Arbeit Regeln aufstellt, das wäre wohl echt bescheuert.

Am Schluss nun eine Aussage von Gerhard Richter:“Ich habe nie gewusst, was ich tue.“ Gerade die offenen Möglichkeiten einer Arbeit sind es ja auch, die sie interessant macht.

15 Gedanken zu „Über die eigene Kunst labern …

  1. Danke lieber Arkis, das ist eine sehr interessante Anleitung zum Betrachten von Kunstwerken. Hatte ich bisher so nicht gesehen. Jetzt freue ich mich auf das was noch kommt.

  2. Hei liebe Silvia, ich erinnere mich grad an einen alten Kumpel (R.I.P) der fasst regelmäßig einmal die Woche bei mir anrief, meist im folgenden Wortlaut einleitend: „Hei Arkis, du bist so ein superguter Maler, bist halt leider nur nicht bekannt.“ *g* also, ich fand das immer witzig.

  3. Ich war 1980 unterwegs auf der Riemenschneiderstrasse zwischen Heidelberg und Rothenburg ob der Tauber. Mein Freund und ich hatten uns einen Zeltplatz unterhalb Rothenburgs gesichert und erkundeten die Stadt. Ich entdeckte einen Pflastermaler, der unglaublich gut die Gesichter von Da Vinci’s und Michelangelos Figuren mit Kreide darstellen konnte. Ich war so fasziniert, dass ich über 45 Minuten zuschaute. Der Maler schaute mich an und meinte, ich sollte entweder Land gewinnen oder mitmachen. Das Ergebnis war ein 6 tägiger Aufenthalt in Rothenburg, in dem ich viel über Kunst, Publikum und äussere Umstände erfuhr.
    1. Wenn man keinen grossen Mist macht, hat man ein Publikum
    2. Das Publikum kennt sich nicht aus
    3. Das Publikum gibt trotzdem Geld
    4. Sich mit dem Publikum auszutauschen (nicht über Kunst) bringt mehr Geld

    Wir hatten einen Kölner Großkotz der meinte, er würde uns das Werk (Da Vincis Frau mit Hermelin) abkaufen, hätten wir es statt auf Pflaster auf Packpapier gemalt (damit er es mitnehmen könne)
    Aber wir hatten einen italienischen Kunstprofessor, der uns dafür kritisierte, daß wir ein Da Vinci Motiv „humanistisch“ interpretiert hatten. Er meinte, Da Vinci sei an seinen Figuren nur als Objekten interessiert gewesen, Michelangelo dagegen hatte Empathie und er meinte wir auch.
    Jedenfalls war es eine sehr interessante Erfahrung und zeigte mir auch, wie weit das normale Volk entfernt ist vom Kunstbetrieb. Gut oder schlecht, sei dahingestellt.

  4. Danke für deinen spannenden Beitrag, den ich mit Vergnügen las, und dem ich aber keinen weiteren Kommentar hinzufügen, und es einfach mal so stehen lassen möchte.

  5. Was würde Vincent zu seinem jetztigen Ruhm wohl sagen? Ich frage mich das immer und immer wieder und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass viele Aspekte ihn total abgeschreckt hätten … Gottseidank für uns, dass er das nicht sah?

  6. Gute Frage. Vincent scheint mir nicht frei von den Implikationen eines Geniekultes. Im Gegenteil, er gibt ein Musterbeispiel der eigenen Verstrickungen darin, sowohl primär als auch sekundär des Art-Kults um ihn. Es gibt nicht wenige Kunstschaffende, (auch Akademiker) die von hier aus einen Schritt wagen, ohne daran zu denken, dass die Arbeiten des Van Gogh eine Entwicklung bis dorthin darstellen, und nicht eine Malweise darstellt um sie von dort aus nachzuahmen. Wir alle sind allerdings nicht wirklich frei von den Kontexten, die uns vorausgingen.

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