Herkunft und Schicksal

Beginnen kann ich mit dem Wenigen was ich weiß, da wäre der Urgroßvater mütterlicherseits. Ein Winzer aus dem Elsass, der in den Harz auswanderte um dort auf einem eigenen, kleinen Gut Wein zu kultivieren. Er mochte den Wein selbst so sehr, und so kam es über kurz oder lang, das er eines Tages, laut Erzählungen, im Delirium nackt durch das Dorf lief. Kurzum, wurde er daraufhin als ein „öffentliches Ärgernis“ eingestuft, und bis zu seinem Tode in einer Anstalt untergebracht. Er hatte nur eine Tochter, meine Großmutter Charlotte, welche einen kleinen Hof nebst einer Kuh und einem Gaul vererbt bekam. Wie Karma manchmal so wirkt, heiratete sie einen Säufer, seines Zeichens Stahlarbeiter und Hurenbock. Sie bekam in der kurzen Lebenszeit, sie starb nämlich mit 33 an Krebs und ich konnte sie nie kennenlernen, fünf Kinder. Meine  Mutter war damals gerad mal 11-12 und der Jüngste 4 Jahre alt. Der alte Hurenbock, mein Großvater verheiratete sich darauf hin mit einer seiner Sauftourenbekanntschaft, einer Dirne, die eine uneheliche zirka zehnjährige Tochter mit in die Ehe brachte. Nach Flucht infolge Ende des 2. Weltkrieges wurde die Familie auseinander gerissen, ein Teil verblieb im Norden, meine Mutter, ihr kleiner Bruder, Vater und Stiefmutter landeten in einem Lager im Süden Deutschlands. Hier fand der Großvater ergo Mutters Vater eine neue Anstellung als Maurer und Bauarbeiter.

Mutter bekam eine Anstellung als Magd auf dem Hofgut Salem am Bodensee. Dort wurde sie mit knapp 18 Jahren von einem älteren Knecht, meinem Vater, vergewaltigt. Ihn selbst habe ich niemals kennengelernt. Meine Geburt verlief nicht ohne Trauma, es war nämlich nicht nur ein wenig zu früh sondern dazuhin eine sogenannte Sturzgeburt. Als Kind hatte ich übrigens hellsichtige Visionen. In den folgenden Jahren kamen Geschwister. Somit war ich am Ende der Älteste von Fünf, einem Bruder, Schwester, Bruder, Schwester, Schwester, die jüngste ist 42 Jahre alt, und ein jedes hat einen anderen Vater.

lichtdeslebens

27 Gedanken zu „Herkunft und Schicksal

  1. … ich habe nicht ein Sternchen verschenkt sonder ein paar ( stellvertretend für das Firnament) … sein Karma kann man sich nicht aussuchen… aber wie man es lebt… du erschaffst Kunstwerke, die berühren… Danke dafür!!!

  2. Das spürst du genau richtig, liebe Alice, jeder aus „unserer“ Generation da etwas …. denke ich, und ja, ganz harte Details hab ich mal außen vor gelassen :)

  3. … irgendwie ist jeder Tag ein Danke Tag… weil wir jeden Morgen geschenkt bekommen… was auch immer passiert… mehr als unser Leben und Liebe haben wir nicht wirklich zu geben…

  4. Wir sind Kinder einer kaputten Generation, auch wenn ich deutlich nach dem Krieg geboren wurde, reichen die Schatten weit. Und ja, manche Details müssen nicht erzählt werden.
    Liebe Grüße
    Alice

  5. Danke für diesen tiefen Einblick in deine Familiengeschichte. Bewegt ist da eine starke Untertreibung. Vermutlich ist das aber mit ein Grund für deine geniale Begabung, dies in Bildern auszudrücken.

  6. Der Entschluß dem mit ein paar Worten mal Ausdruck zu geben und in den blog zu transferieren *g* fasste ich heute Nacht nach etwas längerem Kopfkino, es wollte wohl. Danke fürs lesende Mitgefühl … oder so Monika. **-)

  7. Liebe Silvia, ich kann doch nix dafür *lach* ein jeder Mensch geht und kommt wohl auf seine Weise, und wir sind Schwestern und Brüder im …. *kuss*

  8. Hallo Doris, na das ist jetzt auch so was, nämlich heute morgen träumte ich von einer Jugendfreundschaft, die Doris heißt. Ja du, danke für deinen Kommentar, und gute Zeiten.

  9. Ein Like fällt mir hier schwer, obwohl mich deine Geschichte sehr bewegt und es gut ist, dass diese Familiendramen endlich ans Licht kommen

  10. Hei! Ja, nach all den Jahren – 60 Jahre zirka und noch ältere, jener, die den Krieg noch voll erlebt haben. Da ist so viel unter dem Deckel, und manches ist so grausam …. hab ja einiges Persönliches gar nicht mit rein. Danke und liebe Grüße. :)

  11. Es werden immer mehr, die ihre persönliche Geschichte verarbeiten, ganz privat oder teilweise öffentlich. So oder so. Es tut nicht nur den Einzelnen gut, sondern unserer ganzen Gesellschaft… Ein riesiges Thema, das endlich kein Tabu mehr ist. Liebe Grüße, Annette :-)

  12. jepp! Mein Eindruck ist, dass es andererseits immer so weiter geht … Krieg und Macht und und so weiter …. das Durchdrücken auf Teufel kommt raus partikularer Interessen …

  13. Sieh mal an, ja wer weiß, ….
    hab es übrigens auch nicht leicht gehabt – die Päckchen, die wir zu tragen haben, sind unterschiedlich geschnürt… – aber was drin, ist immer, Ich werd mal eine Kindheitserinnerung in meinen Blog schreiben, die ich bis heute als sehr bezeichnend finde für eine Art von Sadismus, dem mit einer – wie ich meine – kollektiven Gleichgültigkeit begegnet wurde.
    Bei mir war es die Musik, die mir half, an mich selbst und an etwas zu glauben, dass „großartig“ ist. Schönen Sonntag Dir, Doris

  14. Danke Doris, und ja gerne, schau ich, ja die Kunst, und machen, Musik machen und auch hören, kann heilsam sein, sehr sogar. Erfahrung mit Gleichgültigkeit – Abstumpfung von Erwachsenen, im frühen kindlichen Umfeld, gehören auch zu früh erfahrenen Traumen meinerseits, bin heute mit 64 noch nicht mal ganz weg von einer Misanthropie darum. Gut-Nacht, Arkis.

  15. deshalb halte ich es für so wichtig, diese alten Themen endlich aufzuarbeiten, um diesen unsäglichen Kreislauf der Wiederholung endlich zu unterbrechen

Einen Kommentar schreiben

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.