Über Kunstkritik

Ja, Kunstkritik. Merkwürdig, da spüre ich, wie sich bei mir kognitive Knoten bilden. Ich zoome das mal kurz raus, ja völlig subjektiv, wie sonst: Kunstkritik ist verfilztes und verfilzendes, hochtrabendes Gelaber für Kunst-Historiker, Geschäftemacher, Museen und Galeristen. Kunst einem Publikum, Sammlern, Konsumenten aufzuschließen, ist unnötig wie ein Kropf, und Onanie für Intellektuelle. Ich brauche sie nicht und sie interessiert mich auch nicht wirklich.derkokon

Collage by Arkis

Jede Kunst ist in ihrem Wesen vorwiegend Ausdruck des Prärationalen (des Prälogischen) und des Irrationalen, wobei das Mentale als Ordnungskraft mitspielt; sie ist also vornehmlich innerhalb der magischen und mythischen Bewusstseinsstrukturen beheimatet. Ihre Wurzeln liegen wahrscheinlich noch tiefer, denn sie ist die ursprungsnaheste Ausdrucksart des Menschen.

Da sie vorwiegend in den nichtrationalen Bereichen zuhause ist, ist ihr, redlich gesprochen, jedwede mentale Interpretation ungemäß. Jede Deutung eines Kunstwerkes bleibt ein Wagnis. Was sich im Tone ausdrückt, was in Bauformen oder in Zeichnung und Farbe Gestalt annimmt, ist mit dem Wort nicht wiederholbar. Wie soll also mit Mitteln der Sprache Aufschluss gegeben werden über Werke der Musik, der Malerei und Architektur, die sich ohne Sprache Ausdruck verschaffen? Das, was nur sprachlos echte und unmittelbare Äußerung ist, kann nicht 1 zu 1 ins Wort übersetzt werden. Und das nachempfindende, sezierende, analysierende oder vergleichende „Sprechen über“ die Kunst gibt uns keine Hinweise, am wenigsten auf aperspektivisches Wahrnehmen, das sich gerade in den Künsten, den seismografischen Äußerungen des Menschen, am deutlichsten (oder doch am stärksten) spiegelt und damit ablesbar sein sollte.

Jeder Maler, Bildhauer, Zeichner erschafft Welten, die er  seinen Ausdrucks-Mitteln gemäß bildnerisch umsetzt. Es ist müßig, einen Maler wie Grünewald  nach dem Sinn seiner Kreuzigung, einen Da Vinci nach dem Lächeln auf dem Gesicht von Mona Lisa zu befragen. Es ist  die Welt des Künstlers. Sicherlich findet sich sofort ein Kenner, der versuchen wird zu erklären, zu interpretieren, zu verallgemeinern. Verallgemeinern, dass ist die richtige Bezeichnung, denn für die Masse eines Publikums ist es ja der kleinste gemeinsame Nenner, der ihm die Welt erklärt, der es ihm gestattet, über die Welt zu kommunizieren.

Autor: Arkis

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2 Kommentare zu „Über Kunstkritik“

  1. Der letzte Absatz erinnert mich an Pollock. Mit Suff erschuff er seine Bilder, stellte sie ab und es interessierte ihn nicht mehr, was er kreiiert hatte. Er hat einfach neue Bilder gemacht. Sicher, Pollock war ein Extremer, der mit „kleckern und spritzen“ sehr viel Geld verdiente und jetzt noch mehr, wäre er nicht tot. Aber er zeigte mir, dass er sein „Werk“ zeigte wie es ihm zustand. So wie ich deine Bilder erkenne, weil es du bist und kein anderer. Kunst ist schlicht ein Scheissthema, aber individuell und ein Zeigen wie es in einem ist.

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