Mutant

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by Arkis 2010

Das der Mensch (auch nur) ein Tier sei, diese Meinung und Aussage befinde ich als eine zutiefst pessimistische, darwinistisch fehlverstandene, reduktionistische Ideologie. Ein Hinweis auf Kultur, im weitesten Sinne, erübrigt sich. Wer von einem “lieben Gott” als Schöpfer spricht und glaubt, steckt, ihm selbst unbewusst, auf einer kindlich-naiv regressiven Struktur fest. Diese vergrößert und verstärkt die Abstände zwischen jeder nachfolgenden Stufe der Bewusstseinsentwicklung, indem sie auf fehlerhafte Weise die Entwicklung des Bewusstseins im Ganzen verleugnet.

Schließlich gilt: etwas aus einer höheren Warte aus betrachtet, gibt einem die Gelassenheit, die es braucht um erfolgreich zu sein. Der Mensch ist, im Gegensatz zum Tier, ein aufrecht stehendes und gehendes Wesen.

In gewissem Sinne haben die ganz recht, die lachen, wenn einer sagt, er wolle die Menschheit umgestalten. – Sie übersehen bloß, daß es vollkommen genügt, wenn ein einzelner sich bis in die Wurzeln umgestaltet. Sein Werk kann dann niemals vergehen, – gleichgültig, ob es der Welt bekannt wird oder nicht. So einer hat ein Loch ins Bestehende gerissen, das nie mehr zuwachsen kann, ob es jetzt die andern gleich bemerken oder einen Million Jahre später. Was einmal entstanden ist, kann nur scheinbar verschwinden. So ein Loch in das Netz zu reißen, in dem die Menschheit sich verfangen hat, – nicht durch öffentliches Predigen, nein: Indem ich selbst der Fessel entrinne, das ist’s, was ich will.“

(Das grüne Gesicht, von Gustav Meyrink, Kapitel 8 …)

Autor: Arkis

210 * 418 Kunst ist die Idee eines Prozesses dessen, was war ist und sein wird.

14 Kommentare zu „Mutant“

  1. oha. Ich gehe zwar (meistens) einigermaßen aufrecht, aber so ein bisschen schlängeln, das wäre manchmal auch nicht schlecht. Und überhaupt werde ich gern zum Tier. Ob er das meint, der Meyrink?

  2. Meyrink schreibt im grünen Gesicht vom Wachsein bei allem, insbesondere vom „höheren Wachsein“. Im Grunde ist das überliefertes Tantra, wobei es ja nur Fragmente dieser uralten Lehre sind, die wir davon kennen. Du kannst alles machen, auch mal zum „Tier“ werden, was immer das auch für den Einzelnen bedeuten mag, doch: sei wachsam dabei. Zum Tier werden empfinde ich persönlich als ein reduktionistisch-atavistisches Verhalten. Man kann das mal tun, wer das will, doch lieber ohne darauf hängen zu bleiben.

  3. Danke für die erläuterung und die anregung zum nachdenken. ich passe einfach gerne mal, wenn es um die sogennatte überlegenheit des menschen zu gehen scheint. und ich entdecke, dass es gedanken gibt, die ich bisher nicht habe.

  4. „Überlegenheit“ wäre m. E. in diesem Zusammenhang eher ein ideologischer Kontext. Das kann man getrost vergessen, das kling nach willkürlicher Herrschaftshierarchie. „Der aufrechte Mensch“ ist ganzheitlich-homöopathischer Terminus, den ich hier von Dr.Herbert Fritsche übernommen habe.

  5. Der (normale) Mensch ist – nach einem böse klingenden, aber hoffnungsvollen Wort Nietzsches –„etwas, was überwunden werden soll“. Zarathustra fährt fort: „Was habt ihr getan, ihn zu überwinden? Alle Wesen schufen etwas über sich hinaus: und ihr wollt die Ebbe dieser großen Flut sein und lieber noch zum Tiere zurückgehen, als den Menschen zu überwinden. Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Und ebendas soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.“

  6. *….. Mensch, seid nicht nur einfach tierisch, verfeinert und vergeistigt alle Genüsse*, dazu seid ihr Mensch, und lasst euch nicht dauernd diesen Konsummist einreden, ja eintrichtern. Z. B. von wegen „Corona-Impf-Giftspritze“ und all sowas, damit ihr schön weiter alles fressen könnt, was so auf den Markt kommt und ist, auch an Unterhaltung und andere, schwache Freudensangebote …. ! Sich selbst und für und zueinander genügend, zur Freude zu sein, dass ist die verfeinerte Kunst.

  7. Um mehr zu sein, als die zusammengesetzten Teile, reicht es nicht sich über etwas zu fühlen. Man muss sich in etwas fùhlen. Wenn ich meine Grenzen nicht kenne (erfahre), wie sollte ich sie dann erweitern (aufsteigen)? Selbst diese einfache Erkenntnis scheint nicht weit verbreitet.

  8. Es gibt keine Grenzen, was Grenzen genannt, sind gesellschaftlich-konventionelle Absprachen, letzten Endes Vorstellungen, das Universum um und in uns kennt keine.

  9. Da stimme ich dir zu. Menschen möchten sogar dem Universum Grenzen setzen. Alles soll begrenzt sein oder werden. Keine Grenzen scheint Menschen Angst zu machen. Daher schreibe ich zumeist so, dass sie sich so wenig wie möglich ängstigen. Es ist ihnen sonst nicht möglich aufzunehmen, was sie lesen. Langsam geht schneller. „Wahrheiten“ infrage zu stellen, kann nur langsam passieren. Mussten schon berühmtere Menschen als meine Person feststellen.

  10. Ja, des Menschen Träume und Visionen sind da meist schon weiter …. als er denkt zu denken, früher oder später werden sie sich manifestieren, insofern wäre oder ist „Wahrheit“ ein dynamischer Prozess.

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