Zirbeldrüse

(1986) Den ganzen Tag über hatte ich an meiner Osiris-Tafel gearbeitet, ich war müde, und so begab ich mich zur Schwelle des Wachseins und Schlafes.

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“Osiris” Harzöltempera Mischtechnik auf Holztafel by Arkis 1986/87

Wo bin ich? Ich spürte unter meinem Rücken etwas Hartes, es fühlte sich an wie Gestein. Meine beiden Arme lagen auf meiner Brust gekreuzt, genau so war ich doch gerade eben erst eingeschlafen. Oder war es nun schon Stunden her? Ich war kurz verwirrt. Erst später begriff ich, hier aufzuwachen ist jenseits unserer gängigen Vorstellungen von Zeit und Raum.

Wache im Schlaf! So hatte es mich der alte Alchemist gelehrt. Wenn dein leibliches Auge sich schließt öffnet sich dein geistiges Sonnenauge und erleuchtet das Innere deines Tempels. So sind bei den meisten Gesichtern, auf meinen Bildern, die Augen geschlossen oder gar leer dargestellt, eben mit Blick nach innen gewendet.

So auf dem Rücken liegend öffnete ich meine Augen. Sogleich zogen Erinnerungen an meinem inneren Auge vorüber. Gruft, Gewölbe, Kammer, das waren die ersten, schwachen Eindrücke die ich empfand. Hatte ich nicht einen langen Weg, durch ein staubiges Stück Wüste zurückgelegt? Und ich erinnerte mich des Inneren einer Pyramide. Hier hatte ich doch einst schreibend-malend von der Geburt der Sonne und der Himmelsgöttin berichtet. Von der Reise der Sonne durch Amenti und ihrer Wiedergeburt durch Nut.

Es war keine äußere Lichtquelle, die jene Szene, in der ich mich so nun erwachend wiederfand, erleuchtete. Diese tief verborgene Kammer leuchtete in einem warmen Licht von innen, wie von sich selbst heraus, ein Licht, das sanft heller ward, so als würde jemand einen verborgenen Dimmer betätigen. Und so wurde mir allmählich gewahr, dass ich mich nicht allein hier befand. Noch jemand oder etwas war mit mir hier anwesend. Etwas, das sich wie längst vertraute und zu mir gehörende Wesen anfühlte.
„Erinnere dich oh reisender, die Bilder denen du begegnest, es sind alte Bekannte“ – so ging es mir durch den Sinn.

Links und rechts neben mir setzten sich die Umrisse zweier steinerner Thronsitze vom Rest der dahinterliegenden, schimmernden Umgebung ab. An meinem Fußende befand sich eine Gestalt, von der ich erst nur schimmernde Konturen wahrnahm. Das Licht wurde stetig aber sanft heller. Es schien so, als würden alle anwesenden, einschließlich mir selbst, von innen her heller werden- als ginge das Licht von uns aus, in die äußere Welt hinein. Ich erkannte nun rechts von mir eine, auf einem Thron sitzende weibliche Gestalt, gekleidet in grün, blau und rot. Niemand sprach. Ich konnte mich nicht bewegen, ich hatte auch gar nicht das Bedürfnis dies zu tun. Es war als sei ich gestorben und doch fühlte ich mich, in mir selbst, eigenartig lebendig seiend. Zur meiner linken Seite ging ein schattiger Hauch von einem Licht aus, das anders war. Dieser Bereich schien eher das Licht zu absorbieren. Bist du es, dunkle Schwester? Hörte ich mich in Gedankenform fragen. Wie zur Antwort schälte sich aber nun die mittlere Gestalt , welche an meinem Fußende stand, aus der Umgebung heraus. Wurde deutlicher. Und so „hervorgedunkelt“, kam sie in majestätischer Bewegung auf mich zu. Ich sah nun eine hohe, falkenköpfige Gestalt, die einen sanft leuchtenden Gegenstand in ihrer Hand hielt, auf mich liegenden zuschreiten. Sich über mich beugend hob nun der Falkenköpfige jenen Gegenstand über mein Gesicht. Jetzt erkannte ich es, es war ein Henkelkreuz, ein Ankh, wortlos hielt er es mir kurz zwischen meine beiden Augen auf die Stirn. Da floss plötzlich ein heller Lichtstrahl von den Fußsohlen aufwärts gehend durch meinen Körper, ein bläulicher Lichtstrahl, der genau dort, zwischen meinen Augenbrauen, aus der Mitte meiner Stirn, wiederum als ein regenbogenfarbiger Lichtstrahlenkreis in den Raum hineinstrahlte.

Meine Augen öffnend sah ich das erste, sanfte Morgenlicht, der gerade erst aufgehenden Sonne. Auf diesen Morgenhimmel ruhte mein Blick nun in stiller Sanftheit. Vom Äußeren ward ich wiederum ins Innere geführt. Langsam stieg seit damals eine Art schwebender Zustand des Lichtes in mir auf, der im Zentrum meines Herzens verblieb. So kehrte ich also mit den ersten Strahlen des Morgenlichtes, die nun meine Augen trafen, zurück zu den Dingen. Zurück in den Raum und die Zeit, die seither auf seltsame Weise nicht mehr das sind, was sie einst waren.

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The Pyramide, Mischtechnik Papier auf Tafel aufgezogen. 1987 by Arkis

Sommer 77

Der Traum war wie ein Traum, der sich aus Schichten ohne Ende zusammensetzte, die sich auftürmten und im Unendlichen verloren oder sich in Kreisen nach innen bewegten. Als ich von ihren Wellen mitgetragen wurde, begann die Spirale zu einem holistischen Labyrinth zu werden. Es gab weder oben noch unten, weder ein Anfang noch eine Rückkehr. Aber es gab Themen, die sich in Abwandlung wiederholten.

derblaueastrato-by-arkis

 

ist es dies?

was ist das?

Ein Vogel sitzt

auf einem blühenden Ast.