R.I.P. Hans Ruedi Giger

05.02.1940 – 12.05.2014

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http://de.wikipedia.org/wiki/Hansruedi_Giger

Er ist einer jener Künstler, dessen Werk mich vor 35 Jahren eine Initialzündung erfahren ließ. Ein ganz Großer, dessen Werk für das 20 und 21 Jahrhundert maßgeblich sein werden. Wie kaum ein anderer Künstler und Maler überspannt Gigers Werk den Abgrund zwischen Erotik und industrialisiertem Horror. Es sensibilisiert uns für die modernen Archetypen der Angst, die von ihm so bildstark in Szene gesetzt wurden. Wenn in einigen Jahrzehnten vom 20 Jahrhundert die Rede sein wird, wird man auch an Hans Ruedi Giger denken.

Wo ES war …

… soll Ich werden.
(Sigmund Freud)

“Alles, was ich über die Welt und mich weiß, habe ich beim Malen erfahren!” (Rudolf Hausner)

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Adam – ein Selbstbildnis von R. Hausner

Eine kurze Einleitung zu den Bildern des phantastischen Malers Rudolf Hausner , den ich hier vorstellen möchte. Sigmund Freuds Maxime ist nicht nur eine therapeutische Zauberformel gegen das gespaltene Bewusstsein “psychisch Kranker”. Dieser Leitsatz freudscher Seelenforschung ist zugleich entschlüsselter Code für den Sinn von Utopien: Erweiterung der Kenntnisse. Seit dem 18. Jahrhundert überbot sich die wissenschaftlich ausgerichtete Kultur in der Beweisführung für die Richtigkeit unserer Träume und Vermutungen. Je weiter wir in Bezirke vordrangen, die zuvor unsichtbar waren, desto rascher werden die visionären Bilder der Vergangenheit eingeholt. Und je umfangreicher die  extraterrestrische Materie fotografiert und vermessen wird, umso wahrscheinlicher erscheint die Spekulation auf Fortpflanzung (im christlichen Sprachgebrauch wird dies das ewige Leben genannt) quer durch den Weltraum. Unterwegs scheint es viele Indizien dafür zu geben, dass wir auf dem Weg in die Zukunft der Zeit nicht voraus, sondern ihr entgegen reisen. ADAM – das ist der reflektierte Zustand einer Epoche: eine Atlas-Büste, die allmählich in die Stratosphäre hineinwächst; ein Denkergestirn, das sich in die Galaxis erhebt und die Augen wie fotografische Zellen eines Satelliten auf unbekannte Objekte richtet.

Für Hausners malerisches Bekenntnis zur psychoanalytisch geprägten kosmischen Utopie finden wir ein ähnliches Beispiel in der vielschichtigen Raumfahrtparabel von Stanley Kubrick “2001: Odyssee im Weltraum“. Auch Kubrick beschreibt die Astronautik als eine geheimnisvolle, von Neugier erotisch beflügelten Forschergeist inspirierte Expedition. Ein Raumschiff verliert sich, nachdem es die Grenze zur Unendlichkeit überflogen hat, tief in den Landschaften des Unbewussten; so wechselt von Sekunde zur Sekunde der Pilot die Altersschwellen innerhalb eines Vergangenheit und Zukunft gleichschaltenden Zeit-Raumes: als embryonaler Planet berührt der Astronaut die Erde wieder; in den schlummernden Augen, die wir auch in Hausners Adam-Gesicht wahrnehmen, steht die gelöschte Erinnerung an die Zukunft, aus der er einst kam. Denken wir an ein Motiv aus der “Arche des Odysseus”: die Embryos, die in den aufgebrochenen Augenhöhlen des gemarterten Adamkopfes kauern. Während wir ins Weltall hinausblicken blickt das Weltall auf uns.